Angeln im Kattegat !
Von den Aller-Weser-Hochseeangler e.V.
Andreas Renk
Schillerstraße 17
27283 Verden/Aller
Angeln im Kattegat 28.-31. August 2000
Vier Tage fischten die Aller-Weser-Hochseeangler im Kattegat nördlich von Ebeltoft, und des Ergebnis war unvergeßlich. Nicht nur sehr viele Fische wurden erbeutet, sondern vor allem gab es außerordentlich zahlreiche Fischarten zu sehen, die die meisten Teilnehmer noch niemals geangelt hatten.
Neben Dorsch, Wittling, Flunder und Makrele kamen Köhler (Seelachs), Pollack, Leng, Stintdorsch, Schellfisch, Kliesche, Scholle, Aal, Seeskorpion, Grauer Knurrhahn sowie eine kleine Strandgrundel, vor allem aber auch ein Fisch mit dem lustigen Namen Petermännchen an Bord. Vor diesem Fisch hatte Kapitän Peter Thoms zuvor nachdrücklich gewarnt und darauf hingewiesen, daß der Fisch zwar als Delikatesse gelte, aber die Stachelstrahlen der Rückenflosse und der Stachel auf dem Kiemendeckel ein gefährliches Gift enthalten würden und man deshalb mit diesen Teilen auf keinen Falle in Berührung kommen dürfte.
Tatsächlich wurden beim Angeln nordöstlich von Grenaa einige Petermännchen gefangen. Jeder Angler löste den farbenprächtigen Fisch vorsichtig mit einer Zange vom Haken und ließ ihn ins Wasser zurückfallen. Das Risiko, durch eine kleine Unvorsichtigkeit die ganze Angeltour abbrechen zu müssen, wollte keiner eingehen.
Ansonsten kamen schon am Angeltörn des ersten Tages zwischen Ebeltoft und Grenaa, vorbei an der Insel Hjelm, neben den üblichen Fischen einige schöne Köhler und Knurrhähne an Bord, obwohl die Ausfahrt mit MS SOLVEIG aus dem Hafen von Ebeltoft erst relativ spät am Tage beginnen konnte, da das Abflauen des zuvor herrschenden starken Windes abgewartet werden mußte.
Der zweite Tag brachte dann Petermännchen und überhaupt die größte Zahl an Fischarten. Und nicht nur interessante Fische wurden vom Meeresboden herausgeholt. Riesige Seesterne mit einem Durchmesser von fast 30 cm setzten sich auf dem Haken fest, große Miesmuscheln auf kleinen Steinen oder auch umgekehrt machten den Anglern Arbeit. In einem Fall gab es sogar eine Rarität: Die einzige Weichkoralle unserer Breiten wurde von Ernst Otto vom Grund gelöst. Die Fischer geben ihr aufgrund ihres Aussehens die Bezeichnung ”des toten Seemanns Hand”.
Nach erneuter übernachtung an Bord des Schiffes im Hafen von Grenaa ging es am dritten Tag zum Wrackangeln südöstlich der Insel Anholt. Hier gelang in Sicht der Insel der Fang von Pollack und Leng. Aber die Wracks und insbesondere die dort bereits abgerissenen Netzteile von Fischern verursachten nicht unerheblichen Verlust an Angelschnur und Vorfächern. Zudem mußte dieses Seegebiet mittags verlassen werden, da wieder starker Wind angesagt war und ab Windstärke 5 in dortigen Gewässern ein gutes Angeln kaum noch möglich ist. Interessant war für die Angler die Erfahrung, daß die Fische besser mit Kunstköder als mit Naturködern zu überlisten waren und die üblichen Ostseepilker und Twister von der Größe her sich neben Makrelenfedern als am fängigsten erwiesen.
Am letzten Tag wurden dann in Sicht der Nordspitzen von Samsö und Seeland noch Fische erbeutet, die man zunächst für Wittlinge hielt, die sich dann aber als Stintdorsch und Schellfisch herausstellten. Im Hafen von Grenaa gab es für die Angler noch ein besonderes Schauspiel: Ein ungeheurer Schwimmkran mit einer angegebenen Traglast von 900 t entlud frisch gehobene Schiffswrackteile, also genau das, wo Angler besonders gern und erfolgreich den Meeresfischen nachstellen. Erkennbar waren Bug- und Heckteile, große Aufbautenteile, vor allem der intensive Muschelbewuchs, Schwämme und große Krebse. Dass derartige Unterwasserhindernisse nicht nur Fischernetze sondern auch Angelhaken festhalten, wurde hautnah sichtbar.
Wie bei jeder Vereinsfahrt erfolgten nach beendeter Angelzeit Ehrungen, wobei es für die Fänger der meisten Fischarten Sachpreise gab. Den größten Fisch (Dorsch) fing Andreas Renk (Verden), der auch die meisten Fischarten landen konnte. An zweiter Stelle mit den meisten Fischarten stand Horst Krüger (Verden), gefolgt von Ernst Otto (Frankenfeld), dem aufgrund Losentscheidung vom Sportwart Werner Meyer eine Multirolle überreicht wurde. Eine Pilkrute ging an Boris Dziatkowski (Verden), und jeweils einen Videofilm über Meeresangeln erhielten Horst Stüber (Verden) und Wilfried Rosebrock (Verden).
Besonders erwähnenswert ist noch die sorfältige Betreuung an Bord von MS SOLVEIG, die gute Verpflegung und, was in der langjährigen Erfahrung des Aller-Weser-Hochseeangler e.V. bei Mehrtagesfahrten immer ein zentrales Problem war, die Versorgung des Fanges. Dieses Schiff verfügt über einen Kühlraum, der ein Durchfrieren des Tagesfanges über Nacht ermöglicht und auch genügend Platz für Vier-Tages-Beute bietet. An die zünftige Unterbringung in Seemannskojen hatte man sich bald gewöhnt. Nach täglich 12 Stunden auf dem Wasser kam der Schlaf von selbst. Allerdings gab es einige Unentwegte, die auch noch abends im Hafen die Angelrute in die Hand nahmen.
Der AWH wird im nächsten Jahr diese Vier-Tages-Tour mit MS SOLVEIG ins Kattegat wiederholen, wegen der besseren Wetterprognose voraussichtlich schon im Juli. Jetzt im September führt der AWH noch eine weitere Angelfahrt durch. Es geht wieder von Heiligenhafen aus auf die Ostsee, und im Oktober erfolgt die traditionelle Herings-Tour mit dem dänischen Gaffelschoner BONAVISTA aus Rungsted in den öresund. Es wird die letzte Fahrt mit diesem Schiff sein, da Kapitän Thuesen aus Altersgründen den Schoner abgibt und zwar an den Dänischen Staat, so daß dieser Oldtimer bzw. diese beiden Oldtimer für Angelfahrten nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Beide Angeltouren sind zur Zeit ausgebucht. Es wird aber eine Warteliste geführt.

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