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Im Jahre 1995 machten mein Kumpel Kalli und ich eine Angelreise zum Ebrostausee nach Spanien. Eigentlich wollten wir nach Ungarn, aber Spanien erschien uns dann doch besser. Jedenfalls war die Tour nach Spanien billiger und problemloser. Die Reise hatten wir bei Andree`s Angelreisen gebucht. Unsere Angel- und Bootslizenzen lagen schon in Spanien für uns bereit. Das ist Bedingung. Einfach ohne Vorbereitung nach Spanien zum angeln zu fahren funktioniert nicht. Jedenfalls nicht, wenn man keine Probleme mit den spanischen Behörden bekommen will. Ausserdem ist ein Motorboot unerläßlich und es ist - soweit mir bekannt - nicht möglich, am Ebro ein Boot zu mieten.
Die Einweisung durch einen Angelguide ist ebenfalls sehr wichtig. Am Ebro wird anders auf Waller geangelt als in Deutschland. Ohne das Wissen um die Angelmethode hat man wenig Chancen auf einen guten Fang. Jedenfalls sollte man sich gut ausrüsten. Die Angelruten sollten schon richtige Wallerruten sein. Rollen müssen mind. 250 Meter geflochtene Schnur aufnehmen. Die Tragkraft der Schnur sollte etwa 30 kg sein, besser ist Schnur mit noch höherer Tragkraft.
Ersatzruten sind sehr sinnvoll. Ich habe gesehen wie Ruten gebrochen sind, wenn man dann keinen Ersatz hat ist das schlecht. Bitte genügend Haken mitnehmen. Drillinge der Größe 5/0 und Einzelhaken bis Größe 9/0 sind zu empfehlen. In Spanien gibt es wohl auch Angelzubehör zu kaufen, jedoch ist die Auswahl und vor allem die Qualität nicht sehr überzeugend. Wichtig ist auch leichtes Material, um Köderfische zu fangen, sowie eine Zanderrute. Eigentlich fährt man ja zum Wallerangeln an den Ebro, aber die Zander beißen so gut, daß man sich um das Mittagessen keine Sorgen machen muß. Ich habe innerhalb von 20 Minuten 3 Zander gefangen, wovon der kleinste 60 cm lang war, genau die richtige Größe für das Mittagessen. Also Bratpfanne nicht vergessen. Das man eine Campingausrüstung braucht ist keine Frage. Lampen, Kocher, einen Hammer usw. muß man dabei haben. Wichtig ist eine Rosenschere oder ähnliches. Die besten Stellen zum Angeln sind solche, an denen noch nicht geangelt wurde. Auf dem Foto oben kann man sehen, daß die Vegetation bis ans Wasser heranreicht. Mit einer Rosenschere kann man sich vom Boot aus eine kleine Schneise schlagen. Auf diese Weise kann man sicher sein, daß an dieser Stelle entweder noch nie, oder zumindest lange nicht mehr geangelt wurde. Hier sind die Chancen am größten.
5-10 Bisse pro Abend sind keine Seltenheit. Natürlich hat man nicht immer Glück. Viele Bisse gehen daneben und man braucht pro Tag ca. 10 Köderfische. Die sind am Ebro nicht leicht zu erwischen. Man muß schon mit Paniermehl oder etwas ähnlichem anfüttern. Meistens beißen dann nach kurzer Zeit nur noch Wildkarpfen, die gibt es da in riesigen Mengen. Wir haben einmal unseren Augen nicht getraut. In einer Bucht des Stausees, die etwa 200 x 50 Meter groß war, standen die Wildkarpfen Rücken an Rücken an der Oberfläche. Es müßen Tausende gewesen sein. Wenn man das nicht selbst gesehen hat, kann man es kaum glauben. Der Fischreichtum in den Ebro Stauseen ist wirklich gigantisch. Die Werbung der Reiseveranstalter ist nicht übertrieben. Ich wage sogar zu behaupten, daß man den Fang eines Wallers garantieren könnte, vorausgesetzt der Angler weiß wie man die Fische fängt !
Am Ebrostausee bei Riba Roja wird mit Bojen geangelt. Das ist die einzige Möglichkeit einen Köder in einer Wassertiefe von etwa 3 Metern und einer Entfernung von min. 180 Metern zu halten. Ohne die Boje würde der Schwimmer natürlich abtreiben. Die Montage sieht so aus: Eine Boje (Luftballon oder Plastikflasche) wird mit einer Angelschnur der Stärke 50 an einem Stein befestigt. Der Stein wird auf den Grund gelassen und die Flasche so positioniert, daß sie wie eine Boje schwimmt. Die Montage der Rute entspricht einer normalen Angel mit feststehender Pose. Der Köder sollte etwa in 3 Meter Wassertiefe sein. Jetzt braucht man eine Reißleine. Das ist eine ganz normale 18er oder 20er Angelschnur von 4 Metern Länge. An die beiden Enden der Reißleine wird jeweils ein Karabinerwirbel gebunden. Das eine Ende der Reißleine wird mit dem Wirbel unter die Boje gehängt, das andere Ende wird über den Schwimmer auf die Hauptschnur befestigt. Das ganze macht man vom Boot aus. Wenn alles montiert ist, wird die Rollenbremse geöffnet und es geht langsam Richtung Ufer. Die Ruten werden mit festgestellter Bremse senkrecht in die Rutenhalter gestellt. Jetzt kann der Waller kommen. Wenn ein Biß kommt, muß man schnell sein. Man muß mit der Rute ins Boot und drillt sich über den Fisch. Den Rest kann man sich vorstellen. Man darf dem Waller keine Schnur geben, weil er sich sonst nach unten verdrückt und die Schnur sich leicht um Äste, Mauerreste usw. wickeln kann. Die Reißleine hat der Waller beim Biß locker zerissen. Die muß man sich immer wieder neu basteln Und wenn alles funktioniert hat, sieht das so aus.
Ich kann nur jedem empfehlen einmal am Ebro auf Waller zu angeln. Es ist ein Angelurlaub, den man nicht vergißt. Fische von 2 Metern Länge und über 100 Pfund sind keine Seltenheit. Man ist direkt in der Natur und der nächste Angler sitzt vielleicht 5 Km weiter weg. Die meisten Angelstellen sind nur mit einem Boot zu erreichen. Man hört richtig die Stille. Ich hab mir jedenfalls geschworen, wieder hinzufahren. Bis jetzt hat`s zwar zeitlich nicht geklappt, aber vielleicht in diesem Jahr !

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